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„Wir bekommen nicht,
was wir verdienen.
Wir bekommen,
was wir verhandeln!”

Interview mit Sandra Isabelle Ackermann,
Ingenieurin, Aussteigerin, Umdenkerin

Hallo Frau Ackermann. Sie haben letztes Jahr Ihr Leben komplett verändert.
Erzählen Sie uns ein wenig davon.
Ich habe zehn Jahre in Frankfurt gewirkt, so mit richtiger Karriereleiter und vielen spannenden Aufgaben in der Immobilien-Projektentwicklung und dem Assetmanagement. Das war durchaus eine spannende Zeit mit tollen Menschen und Projekten. Ich war unter anderem für Immobilientransaktionen im dreistelligen Millionenbereich verantwortlich. Es war aber nicht immer frei von Stress und auch nicht frei von Konflikt.

Mir ist es jedoch sehr wichtig, wie Menschen miteinander umgehen. 2019 war ich dann an einem Punkt angelangt, an dem ich feststellte: So möchte ich das nicht weitermachen. Ich möchte mir wieder Freiheit nehmen und für längere Zeit reisen. Also habe ich Ende 2019 gekündigt und hatte für den Sommer 2020 eine Reise nach Kanada geplant.

Das ist aber ein ganz großer Schritt – insbesondere auch finanziell.
Was würden Sie anderen raten, die in einer ähnlichen Position sind?
Ich würde keinem Menschen raten, sich in ein Abenteuer zu stürzen, wen ihn das eventuell überfordert. Vor allem nicht, wenn er kein finanzielles Polster hat oder sehr unsicher ist. Trotzdem möchte ich ermutigen, aus der Komfortzone herauszugehen und Dinge zu tun, die einem wirklich am Herzen liegen.

Ich persönlich wollte eine Auszeit, um den Kopf wieder frei zu bekommen. Ich hatte vor, im Herbst wieder einen neuen Job zu beginnen. Durch Corona hat sich mein Plan in Luft aufgelöst. Solche Ereignisse sind im ersten Moment natürlich verstörend. In zweiter Instanz sind sie das Tor zu einer neuen Welt. Bei mir war das genauso. Das hat viele Türen geöffnet.

Ich konnte zwar nicht nach Kanada reisen, habe aber trotzdem viele Kontakte dorthin geknüpft, unter anderem zu sehr renommierten Erfolgscoaches. Ich habe mir zeigen lassen, wie die Spielregeln des Lebens sind; wie man erfolgreich sein kann, indem man wirklich seine Träume erfüllt. Deswegen habe ich mich entschieden, ein Buch zu schreiben. Zu einem Thema, das mir sehr am Herzen liegt:
„Champagne for the Ladies!“.

Warum geht es in Ihrem Buch?
Das Buch dreht sich um das Thema Selbstwert. Denn ich habe festgestellt, dass dieser vielen Menschen fehlt bzw. sich hier noch eine Menge Potential versteckt. Wenn irgendwo Konflikte entstehen, hängt das meistens mit einem Mangel an Selbstwert zusammen. In unserer Leistungsgesellschaft hängt der Selbstwert oft von der Zustimmung anderer ab. Das möchte ich aufbrechen. Mit seinen erzählerischen und sachlichen Inhalten kann das Buch für die Leser*innen ein wake-up call sein: Kümmere dich auch im Alltag um dich selbst. Nimm deine eigenen Bedürfnisse ernst. Jeder Mensch darf bedingungslos „Ja“ sagen zu sich selbst. Wir sollten uns selbst so sehr wertschätzen, dass wir uns – im bildhaften Sinne – den Champagner gönnen.

Viele Frauen droht die Altersarmut. Da bleibt nicht viel Platz für Champagner.
Sind Sie der Meinung, dass Selbstwert die Basis für (finanzielle) Selbstbestimmung ist?
Ja genau, das ist es. Ich formuliere dies gerne mit folgender Formel:
SELBSTWERT + EIGENVERANTWORTUNG = SELBSTBESTIMMTES LEBEN

Ich finde es wichtig, dass JEDER Mensch selbstbestimmt lebt. Da bedeutet nicht, dass man nicht in Beziehung zu anderen ist. Das bedeutet nicht, dass man egoistisch ist. Das bedeutet nur, dass man EIGENVERANTWORTUNG übernimmt. An der Stelle entdecke ich leider häufig, dass Frauen – bezogen auf finanzielle Aspekte – das nicht (genügend) tun oder nicht getan haben. Was aber oft gesellschaftlich bedingt ist.

Wir wissen alle, dass Frauen noch bis in die siebziger Jahre nicht einmal selbst über ihre Berufstätigkeit entscheiden durften. Das Bürgerliche Gesetzbuch schrieb es vor: Wollte eine Frau arbeiten, musste das ihr Ehemann erlauben. Erst 1977 wurde das Gesetz geändert. Deswegen dürfen wir uns auch nicht wundern, dass unsere Gesellschaft davon noch so stark geprägt ist. Wenn man sich eine Rennbahn vorstellt, dann stehen die Männer an der Startlinie, und die Frauen müssen (gefühlt) einen Kilometer vor dieser Startlinie anfangen zu laufen. Einfach aufgrund der Prägung und der gesellschaftlichen Haltung. Und diese Tatsache gilt es aufzubrechen. Deswegen ist die Arbeit der Wohlstandsgenossenschaft so wichtig. Frauen brauchen an dieser Stelle tatsächlich Unterstützung.

Sie haben viel Expertise im Bereich Finanzen. Haben Sie für Frauen konkrete Tipps, wo sie anfangen können, finanziell selbstbestimmt zu leben?
Sehr gerne. Ich merke leider, dass Frauen sich oft gar nicht (gern) mit Finanzen beschäftigen. Immer noch nicht. Das ist aber total wichtig. Deswegen möchte ich fünf Aspekte für die finanzielle Unabhängigkeit jeder Frau benennen:

  1. Sich selbst und das Thema finanzielle Unabhängigkeit wichtig nehmen.
  2. Gleichzeitig das Ganze nicht zu ernst nehmen: Sich das Leben leicht(er) machen. Auch das Thema Finanzen darf „frau“ spielerisch angehen: ausprobieren, experimentieren.
  3. Unbedingt anfangen, auch wenn es nur fünf Euro sind. Man sammelt Erfahrungen, und auch mit kleinen Schritten sieht man Erfolge.
  4. Unbedingt Hilfe von Expert*innen holen, wenn man nicht weiter weiß. Wenn jemand dich unterstützen kann: immer „ja“ sagen. Du bist es Wert.
  5.  Sich finanzielle Ziele setzen. Ohne Ziel driftet man ab. Ziele machen es viel leichter, sich zu fokussieren.

Was halten Sie davon, sich ganz große Ziele zu setzen, wie zum Beispiel „In fünf Jahren zum Millionär“?
Bei dieser Frage schlagen zwei Herzen in meiner Brust. Wenn du nicht bereit bist, solltest du dich nicht überfordern. Die Lehre der Erfolgscoaches besagt jedoch, dass man wirklich GROß träumen darf. Die Menschen setzen sich üblicherweise zu kleine Ziele. Man bewegt sich im Bereich des Machbaren, das fühlt sich sicher an. Der Trick ist aber, ins – vermeintlich – Unrealistische zu gehen. Wirklich große Ziele zu setzen. Große Ziele sind allerdings immer mit viel Arbeit verbunden. Das Geld fällt nun mal nicht vom Himmel.

Das Wichtigste ist, dass du anfängst. Auch wenn du am Anfang nur wenig Mittel zur Verfügung hast, solltest du einfach loslegen. Denn du sammelst Erfahrungen und Erfolge. Und wenn du dich damit beschäftigst, kommen neue Dinge in dein Leben.

Sie haben gerade ein Buch geschrieben und in Eigenverlag herausgegeben.
Wie geht es weiter, nun, dass Sie nicht mehr angestellt sind?
Mein Ziel als Verlegerin ist es, Bücher, die mit dem Leben zu tun haben, herauszugeben.
Ich entwickle darüber hinaus gerade Module, die Menschen dabei helfen sollen, selbstbestimmt ein erfülltes Leben zu führen. Etappe Nummer eins dazu sind mein Buch und mein Verlag. Weitere Schritte folgen … Dazu wird auch wieder die Standortentwicklung gehören, die immer einen wesentlichen Teil meiner Karriere ausgemacht hat. Aktuell befindet sich vieles im kreativen Entwicklungsprozess.

Meine Vision ist es, gesunde und glückliche Menschen, die selbstbestimmt leben, auf dieser Welt zu sehen. Ich wünsche mir, dass wir eine Gesellschaft haben, die wohlwollend gegenüber jedem einzelnen Menschen ist und Wertschätzung im Alltag lebt.

Apropos Wertschätzung.
Gerade habe ich in einer Nachricht gehört, dass es keine Gehaltserhöhung für Pflegepersonal geben wird. Obwohl wir alle in der ersten Corona-Welle applaudiert haben und der Beruf als systemrelevant eingestuft wurde. Wie halten Sie es damit?
Unsere Gesellschaft darf und muss sich fragen: Welchen Wert messen wir den Dingen und Leistungen bei? Es wäre menschlich und heilsam, wenn es gelänge, diese Werte auch monetär in einem gesunden Verhältnis abzubilden. Davon sind wir – wenn ich das höre – offensichtlich immer noch weit entfernt.

Bei Frauen gibt es oft zwei Gedanken, die mit den Vokabeln „aushalten und ertragen“ gut erfasst sind. Sie sind der Inbegriff der Hoffnung, dass es irgendwann besser wird. So lange hält man das schon aus. Wenn du dabei bist, durchzuhalten, ist das meines Erachtens ein Signal, dass du etwas ändern musst. Du solltest selbst Verantwortung übernehmen.

Und das ist tatsächlich in den Köpfen vieler Frauen nicht präsent. Sie sind fleißige Bienchen, machen hervorragende Arbeit und hoffen leise drauf, dass sie deswegen entdeckt werden und Anerkennung bekommen, auch finanziell. Das ist in unserer Gesellschaft selten der Fall. Solange ich nicht losgehe und mein Stück vom Kuchen fordere, passiert wenig bis nichts.

WIR BEKOMMEN NICHT, WAS WIR VERDIENEN,
WIR BEKOMMEN, WAS WIR VERHANDELN.

Frauen sollten sich bewusstwerden: Geld ist wichtig! Geld brauche ich, um Dinge umzusetzen, um meine Existenz zu sichern. Es ist legitim, Geld zu fordern. Ich liebe Geld und ich nehme mir das Geld. Geld ist immer da. Wir dürfen es willkommen heißen!

Das Gespräch führte Corrine van den Broek

MONEY-BLOG

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